Interview der Zeitschrift BRAUINDUSTRIE (Ausgabe 2/2011) mit CARBO-Geschäftsführer Dr. Jürgen Kraus.
BRAUINDUSTRIE: Herr Dr. Kraus, woher kommt eigentlich die natürliche Kohlensäure Ihres Unternehmens? Dr. Jürgen Kraus: Wir fördern die natürliche Kohlensäure in der Vulkaneifel. Sieben Quellen sprudeln zurzeit auf unserem Gelände im „Wehrer Kessel“. Dort wird das Gas in fünf Kilometer Tiefe vom Magma abgegeben und wandert bis in die oberste Erdkruste. Das Gas steigt über sogenannte Störungsfugen bis zur Erdoberfläche auf. Dabei schießt es – in Wasser gelöst – unter enormen Druck in die Höhe oder tritt in der Nähe stark kohlensäurehaltiger Quellen auch trocken in Form von „Mofetten“ aus.
Wir bohren die gasführenden Spalten an, trennen das Gas vom Wasser, reinigen, verdichten und kühlen es, bis es flüssig wird. Dann ist die Kohlensäure bereit für die Abfüllung in Tanks und Flaschen. Durch ein Multikomponenten-Analysegerät wird das Gas auf mindestens 22 Parameter bis in den ppb-Bereich kontrolliert.
BI: Stündlich können 9 000 kg Kohlensäure produziert werden. Neben der Abfüllung in Flaschen für Gastronomie, Industrie und Getränkefachgroßhandel stehen sogenannte Minitanks für Groß- und Systemgastronomien zur Verfügung.
Dr. Kraus: Richtig, dieses Minitanksystem wurde für Zapf- und Schankanlagen für einen Jahresverbrauch ab 800 kg Kohlensäure konzipiert. Bei diesem System wird das flüssige CO2 über eine Verdampferschlange in die richtige, gasförmige Konsistenz gebracht. Die Minitanks werden einfach per Tankwagen über einen außen liegenden Füllstutzen aufgefüllt. Die Vorteile für den Kunden: genaue Abrechnung, geringer Platzbedarf bei optimaler, zentraler Vorratshaltung und ein jederzeit nachfüllbares System – ohne dass der Kunde vor Ort sein muss. Je nach Einsatzbereich, kurzfristigem Spitzenbedarf und örtlichen Gegebenheiten bieten wir drei verschiedene Minitanks an mit Fassungsvermögen von 120 kg bis 260 kg.
BI: Skizzieren Sie kurz die wichtigsten technischen Details des Systems...
Dr. Kraus: Die Tanks sind aus Edelstahl und vakuumisoliert. Durch eine besondere Druckförderung ist ein absoluter Überfüllschutz gegeben. Das System ist durch kurze Füllzeiten charakterisiert – 180 kg Kohlensäure in wenigen Minuten; der Schankbetrieb muss während der Befüllung nicht unterbrochen werden. Es herrscht ein geringerer Betriebsdruck als bei herkömmlichen CO2-Flaschen-Systemen und es sind keine störanfälligen, komplizierten Ventile im Einsatz. Weiterhin ist eine Vergrößerung der Ausschank-Menge gegeben, das heißt, es können 1000 Gläser à 0,4 Liter pro Stunde gezapft werden. Dieses System ist für nahezu alle Biersorten geeignet: problemloses Zapfen der meisten Weizen- und Spezialbiere; problemloses Anschließen von Pre- und Postmixstationen. Alle CO2-Verbraucher werden zentral von einem Tank gespeist.
BI: Für große Bezugsmengen und Zusatzanforderungen haben Sie das Minitanksystem um weitere Module erweitert.
Dr. Kraus: Ja, der Einsatz von separaten Verdampfersystemen deckt wesentlich höhere Kapazitäten ab. So kann ein Minitank mit 240 kg Inhalt seine Verdampferrate auf mehr als 100 kg CO2 pro Stunde erhöhen; im Dauerbetrieb ohne Verdampfer sind maximal 9 kg pro Stunde möglich. Weiterhin sind zur kostengünstigen Mischgaserzeugung die Minitanksysteme in Kombination mit Stickstofferzeugern (Air-Separatoren) einsetzbar.
BI: Das Minitanksystem wurde erfolgreich auf dem Münchner Oktoberfest 2010 eingesetzt.
Dr. Kraus: Für das Oktoberfest 2010 hat die Paulaner Brauerei den traditionsreichen Zeltbetrieb Winzerer Fähndel zu einem der modernsten Bierzelte der Welt umgebaut. Zu dem neuen Konzept der Getränkeversorgung aller einzelnen Ausschankstellen von nur einer zentralen Stelle aus und der Fernüberwachung der gesamten Versorgungseinheit passte die herkömmliche Versorgung mit CO2 aus Stahlflaschen bzw. Stahlflaschenbatterien nicht mehr.
BI: Mit einem für das Oktoberfest-Geschäft optimierten Minitanksystem wurde eine dem Stand der Technik entsprechende Lösung gefunden.
Dr. Kraus: Richtig. Eine Entnahmeleistung von 120 kg/ Stunde ermöglicht eine automatisierte, platzsparende und zentrale CO2-Versorgung. Oktoberfest-Wirt Peter Pongratz, der wohl zu den bekanntesten Münchner Großgastronomen zählt, und Diplom-Brauingenieur Uwe Daebel von der Paulaner Brauerei, der für das Projekt verantwortlich war und es geplant hat, waren von unserer CO2-Versorgung und der technischen und logistischen Abwicklung überzeugt. Vorteile wie Platzersparnis, genaue Abrechnung der Liefermengen, Wegfall des ständigen Flaschenwechsels, der zu einer enormen Entlastung des Schankpersonals geführt hat, und unser täglicher Lieferservice haben einen positiven, nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Dies hat sich in zahlreichen Folgeaufträgen nicht nur für das Oktoberfest 2011, sondern auch aus anderen Bereichen der Großgastronomie und der Brauindustrie gezeigt.
BI: Herr Dr. Kraus, vielen Dank für das Gespräch.







